Tourismuswerbung zwischen Behäbigkeit und Gedankenblitz
Das Tourismusland Schweiz ist ein Geschenk der Götter. Die Werbung dafür müsste vermehrt den Himmel erobern.
Natürlich gibt es gute, ja geniale Tourismuswerbung. Betrachtet man aber den Durchschnitt, sind Zweifel an Witz und Effizienz angebracht. Der Tourismus ist eine jener Branchen, die traditionell stark zu repetitiv angewandten Klischees neigt. Ihre Verwandten sind die Automobilindustrie, die Modeindustrie und Möbel im oberen Segment. Sie alle leben vom Augenreiz. Das ist ein grosser Vorteil, der aber gleichzeitig auch zu paralysieren scheint. Da macht sich ein Kreativstau breit, vergleichbar mit dem berüchtigten Schreibblockade der Schriftsteller und Journalisten. Die kreative Entwicklung bleibt geteert und gefedert an den Totembaum des Uninspirierten gefesselt.
Weshalb das so ist? Das ist eng mit der Qualität des Geschenks der Götter verbunden. Unsere touristischen Regionen, ihre Gaststätten, Hotels und Infrastrukturen sind in der Regel so aussergewöhnlich gut und majestätisch (Geschenk der Götter!), dass schon eine durchschnittliche Werbung auf den ersten Blick berückend scheint (vor allem für ihre Urheber). Da erhebt sich automatisch eine naheliegende Frage: Wie wäre die Wirkung erst, wenn die Werbung sich inspirierter um die Bedürfnisse des Zielpublikums ranken würde? Und wenn sie – welch verwegener Gedanke – vermehrt Social Media mit einbeziehen würde? Man kann sich das so vorstellen: Neue Kunden reiten heutzutage auf dem Jetstream des Cyberspace, ohne Umwege in die Gästebetten, an die Barstühle, in die Bergbahnen. Da wäre ein Netzwerk leistungsstarker Radartürme und hell leuchtender Pistenbefeuerung keine schlechte Idee.
Gute Touristikfachleute wissen das und zögern trotzdem. Das Zögern hat einen guten Grund. Social Media funktioniert nur, wenn (Air-)Traffic herrscht ... und wer hat dazu Kompetenz und Zeit? Zeit und Kompetenz kann man einkaufen, und dieser crossmediale Ansatz ist so effizient, dass man mit einem guten Return on Investment rechnen kann.



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