Nutzwald und Marketing
Weshalb Porsche und Ferrari an Sportwagen aus Sperrholz arbeiten ... und wie der Untergang des Abendlandes allenfalls aufgehalten werden kann ...
Wenn im Schweizer Wald ein Baum gefällt wird, bluten die Herzen. Eine Tanne, eine Eiche, eine Eibe ... alles Lebewesen, denen wir mit Hochachtung zu begegnen haben. Zumindest, wenn es nach dem Willen hochkarätiger Gutmenschen ginge.
Nur – ganz so einfach ist das nicht. Wir haben der Landschaft ein Kleid aus Asphalt übergezogen, Beton gewinnt den Kampf gegen Wurzelkraft, unsere putzigen Einfamilienhäuser wuchern in Sichtweite zu Hirsch, Reh und Dachs. Das verändert einiges, von Mikroklima bis zu Flora und Fauna. Der Fuchs mutiert zum munter-neugierigen Stadtwanderer.
Im Mittelland gibt es wichtige Vogel- und Pflanzenarten, welche das Zwielicht ausgelichteter Wälder dem Dunkel naturbelassener Wälder vorziehen. Im Gegensatz dazu gibt es Tausende von Kleinlebewesen, die sich nur im stehen oder liegen gelassenem Tot- oder Altholz der «Neu-Urwäldern» mit der nötigen Leidenschaft auf die Erhaltung ihrer Art konzentrieren.
Brauchen wir mehr (geschützte) Naturwälder, die langsam zu Neu-Urwäldern mutieren? Was wir wirklich brauchen, ist eine Balance zwischen Nutzwald und «Urwald» ... und was wir ganz besonders brauchen, ist Holzmarketing. Die Äxte unserer Förster sind zu fleissig, die Nutzwälder produzieren mehr Holz, als der Markt aufnehmen kann. Holzmarketing würde bedeuten, dass uns eine Seele und ein Herz aus Holz implantiert wird. Wir würden die Sportarenen, die Einkaufszentren, die Einfamilienhäuser, die Brücken und unsere heissgeliebten Sturmgewehre wieder aus Holz, Schweizer Holz, konstruieren. Unsere Pädagogen würden angesichts von Plastikspielzeug einmal mehr den Untergang des Abendlandes heraufbeschwören. Wir würden den iPad verfluchen, weil er Zeitungspapier überflüssig macht, auf Stahl Einfuhrzölle erheben und die AMAG würde Porsche zwingen, in die Schweiz 911er aus Sperrholz zu liefern, was Ferrari in Zugszwang versetzen würde.
Für einmal sind nur unsere Politiker der Zeit voraus. Ihre Reden wirkten schon immer recht hölzern.
Lesen Sie mehr zum Thema Wald und Nachhaltigkeit unter www.riskmanagment-zeitschrift.ch



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