Schrotflinten im Cyberspace: Amoklauf, Tea-Party und eine Dame namens Sarah Palin

Wer bisher glaubte - und es sind nicht wenige - Facebook, Twitter und Co. sei die Sache von Teens and Twens, ist gut beraten, die Social-Media-Strategien der Tea-Party-Bewegung zu verfolgen. Sie kopieren gewisse Erfolgsrezepte des Internetwahlkampfes von Barack Obama. Teilweise schwappen die Rezepte über nach Europa, auch in die Schweiz. Blocher-TV ist bei weitem nicht das einzige Beispiel.

Vor Jahren lud Microsoft die Schweizer Parlamentsdienste sowie National- und Ständeräte nach Redmond ein. Sie erfuhren dort die Internet-Wahlkampf-Geheimnisse amerikanischer Prägung (Jahre vor der Facebook-Hype). Kurz darauf sichtete man schüchterne Politiker-Homepages helvetischer Prägung im Internet. Von der amerikanischen Grossmäuligkeit hielt man Abstand. Das war damals.

Barack Obama zeigte, wie man mit Social-Media-Geld und Anhänger sammelt, Wahlkämpfe gewinnt. Die Tea-Party demonstriert, wie man einen Virus setzt, der das Klima vergiftet und die Atmosphäre mit Hass erfüllt. Facebook, Twitter und Co. sind mittlerweile Waffen, erhältlich ohne Waffenschein. Sie transportieren gutes und weniger gutes Gedankengut mit einem Minimum an finanziellem Aufwand und dem unsicheren Streubereich einer locker im Halfter sitzenden Schrotflinte.

Dies bedenkend, müsste man zumindest für Politiker die Social-Media-Waffenscheinpflicht einführen.

Gabrielle Giffords, Mitglied des US-Repräsentantenhauses wurde von Jared Lee Loughner mit einer 9mm Glock (mit 30-Patronen-Magazin) von hinten in den Kopf geschossen. Zuvor wurde ihr Büro von Vandalen zerstört. Bei dieser Gelegenheit kritisierte Giffords die US-Karte auf Sarah Palins Homepage, auf der sie mit einem Fadenkreuz eingezeichnet ist. Die Karte wurde unmittelbar nach der Schiesserei entfernt.

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