Schweizer Hotelllerie: Please do not disturb

Mit Innovationen gegen Dollar- und Euro-Magersucht

Die Gäste bleiben weg, die Dollar- und Euromagersucht schlägt sich in den Bilanzen nieder. Als ehemaliger Verwaltungsrat von zwei Fünfstern-Hotels plus (verantwortlich für internationales Marketing), weiss ich, wie bleifüssig sich die Szene bewegt. Der Krise wird eher mit Staunen als mit Kreativität begegnet.

Gesamtwirtschaftlich gesehen, ist dieser Kaninchen-erstarrt-angesichts-Schlange-Effekt nicht unbedingt zu erwarten. Schliesslich belegt die Schweiz in Sachen Innovationskraft neuerdings den Spitzenplatz, mit deutlichem Abstand zu Ländern wie Deutschland, USA, Schweden und so weiter.

Gebt den Schweizer Gastgebern eine Vitamspritze ... Kreativität tut nicht weh!

Eiserne Regeln der IPO-Planung

Oft macht es Sinn, einen Börsengang als eine mögliche Option im Auge zu behalten. Wer das tut, sollte jene eisernen Regeln beachten, die sich im Auf und Ab erfolgreicher und weniger erfolgreicher IPOs herausgebildet haben.

Werden Sie Objekt der Begierde

Banken versuchen, potenzielle IPO-Kandidaten frühzeitig an sich zu binden. Dem sollten Sie möglichst lange widerstehen. Der Grund: Ihre langfristigen Interessen laufen nicht parallel zu den kurzfristigen IPO-Zielen von Leadbanken. Die Gefahr: Plötzlich laufen Sie auf der falschen Spurbreite, nämlich auf jener der Bank  und meine Erfahrung sagt, dass Sie immer mehr in einen Sog geraten, in welchem die Bank und nicht Sie die Konditionen diktieren. Eine allfällige Börsenkotierung ist für Sie ein strategisch fundamental wichtiger Entscheid  für die Bank handelt es sich um ein Business, in welches man möglichst viele Kandidaten drängt.

Bleiben Sie also unabhängig, machen Sie sich rar, diktieren Sie die Bedingungen

Als ich Börsengänge für Leica, Phonak, Straumann und rund 20 andere Firmen plante, bestand ich auf einer Vorbereitungszeit von 18 und einer Transaktionszeit von 8 Monaten, das alles waren erfolgreiche IPOs, weil die Kunden und ich den Banken weitgehend die Konditionen diktiert haben. Weil wir genau analysierten, wo die Interessen der Leadbank und der Emittenten auseinanderlaufen. Und wir haben schon beim Beauty Contest klar gemacht, wer das Sagen hat. Das ist unüblich, aber erfolgreich.

50+, die 68er und die trapezförmigen Schuhe

Die 68er kommen ins Seniorenalter. In ihrer Zahl und in ihrer merkantilen Bedeutung übertreffen sie alle anderen Zielgruppen. Wie einst «Die Jugend» werden sie «Mode machen». Mode macht (nach einem Urgesetz) jene Zielgruppe, die am kapitalkräftigsten und kauffreudigsten ist  also die Neusenioren der 68er.

Wenn bisher «Die Jugend» die Zeichen setzte, hatte das den Vorteil, dass sich die Macher (Marketing, Mode, Lifestyle) als Trendsetter zu dieser Zielgruppe zählten. Setzen die 68er die Signale, ist das ein fremder Stamm, weit weg vom eigenen Erleben. Der einzige Trost, der Trendsetter-Übergang, ist ein allmählicher, schläfrig ablaufender Prozess... allerdings mit einer interessanten Ausnahme: Ein dramatischer Wandel ist dort zu erwarten, wo der Neusenioren-Komfort betroffen ist. In Sachen Komfort verstehen die 68er keinen Spass.

Manchmal bin ich Teil von Projektgruppen, die sich mit dem Aufspüren neuer Produkte und Dienstleistungen befassen, gesucht sind Neuigkeiten mit Blockbuster-Qualitäten. Den meisten Erfolg verzeichnen Produkte, welche neue Komfortdimensionen eröffnen. In dieser Hinsicht habe ich einen Traum: Die trapezförmigen Schuhe, sie sind ein sicherer Renner. Im Alter (selbst bei den 68ern) öffnet sich die Zehenregion der Füsse fächerartig. Der Fächer öffnet gewaltige Marketingmöglichkeiten. Gebt unseren Neusenioren doch trapezförmige Schuhe, sie werden das geniessen. Das sei unmodisch? Ich nenne sofort Schuhdesigner, die fähig sind, ein Sexappeal-Trapez aus edlem Leder zu schneidern.

Aber wie sollen Macher diese Chance packen, die auf Spitzsohlenfüssen durch die Gegend laufen?

Information für IPO-Kandidaten

Für IPO-Kandidaten ist es wichtig, zu wissen, wo die Interessen seiner Leadbank mit seinen eigenen kollidieren (Leadbank = jene Bank, welche den Börsengang organisiert und verantwortet). Ist ein Kandidat sich des Konfliktpotentials bewusst und kennt er alle Diskussionspunkte, kann er erhebliche Beträge einsparen und den Effekt des Börsengangs substanziell optimieren. Da es sich um eine komplexe Materie handelt, haben wir die wichtigsten Punkte festgehalten. Wir senden Ihnen kostenlos ein Sonderdruck der Zeitschrift "Risk Management" mit einem entsprechenden Artikel «aus meiner Feder». Im Artikel kondensieren sich die Erfahrung von über 20 internationalen Kapitalmarkttransaktionen, als Stratege und positiv-kritischer Beobachter.

IPO-Kandidaten: Vermeiden Sie den Ausflug in den Wilden Westen

Beispiel 2: Die Road Show in Amerika bringt in der Regel nichts als Spesen

In Sachen IPO hat die Leadbank in der Regel tatsächlich einen Wissens- und Erfahrungsvorsprung. Wenn sie ihn nutzt, um ihnen die Notwendigkeit amerikanischer Investoren beliebt zu machen, kann das in ganz wenigen Fällen sinnvoll sein, meist dient der kapitalintensive Ausflug übers Meer einzig und allein der Bankeneigenwerbung. Ausländische Aktien sind für die amerikanische Gesellschaft nur beschränkt verfügbar, der Kauf unterliegt strikten Regeln (144 A). Ausserdem sind Sie dann weltweit in Ihrer IPO-Kommunikation eingeschränkt. Das erleben Sie während der Roadshow, ihre Aussagen werden zensiert. Beinahe jede Bank wird Ihnen zum US-Ausflug raten. Tun Sie das nur, wenn die Bank bereit ist, ein klares nachprüfbares Ziel schriftlich zu formulieren.

In der Zeitschrift «Risk Management-Der Wert des Geldes» habe ich über diese Thematik eine umfassende Analyse veröffentlicht.

http://www.riskmanagement-zeitschrift.ch/

In weiteren Blogs geht es um folgende IPO-Thematik:

Was eine gute Leadbank leistet Parameter, an denen Sie Leistungskraft und Seriosität einer Leadbank messen Welche Knebelverträge IPO-Kandidaten verhindern sollten Weshalb eine US-Präsenz in den meisten Fällen nur für die Bank interessant ist Roadshow und Mediengewandtheit Die Bank denkt kurzfristig, denken Sie langfristig Weshalb Sie die Bonipolitik Ihrer Leadbank kritisch hinterfragen sollten Gelten US-Kommunikationsregeln (SEC) wirklich auch in Europa? ...und vieles mehr.

Geheimnis Product Placement 3

In regelmässigen Abständen berichte ich über eine der erfolgreichsten Marketing-Methoden: Product Placement

Product Placement ist die zivilisierte Form der Gehirnwäsche.

Wenn mir ein Kunde sagt, er wünsche ein Product Placement in einer Hollywood-Produktion oder in einem beliebigen TV-Steadyseller, kann ich das arrangieren. Kein Problem. Das ist allerdings teuer und die Frage nach dem Return on Investment ist zu stellen. Wenn 20 Millionen am Sackgeld nagender Teenager in einer zu Tränen rührender TV-Soap ein Product Placement von Prada erleben, ist das ziemlich sinnlos ... und leider ist das oft das Schicksal von Product Placement, weil es Brand Awareness in den falschen Köpfen installiert. Wie so oft, ist die Kosten-Nutzen-Frage bei Buchhaltern gut aufgehoben. Aufgabe der Kreativen besteht darin, buchhalterisch akzeptable Alternativen zu finden  und die gibt es. Für einmal nicht im Internet, doch davon später mehr ...

In Kürze erzähle ich mehr über meine Erfahrungen mit Product Placement (Geheimnis Product Placement 4). Erfolgreiches Product Placement ist nur in jenen Medien möglich, in denen sich das Zielpublikum quantitativ und qualitativ genau umschreiben lässt. Alles andere ist Geldverschwendung.

Schwachbrüstiges 50+ Marketing

In den meisten Fällen leidet 50+ Marketing an Arteriosklerose und an leichten Anflügen von Demenz. Was auf dem Schreibtisch brillant aussehen mag, lümmelt in der Praxis lustlos vor sich hin.

Weshalb gelingt es nur selten, die kapitalkräftigste, konsumfreudigste und potentiell konsumaktivste Gruppe mit Faszination anzusprechen (wenn man einmal von der Kreuzschiffahrt-Industrie absieht, deren Attraktivität nie untergeht).

Über viele Jahre war ich mit der kommunikativ schwierigsten Aufgabe überhaupt betraut. Und sie betraf ausgerechnet 50+. Thema: Hörgeräte in begehrenswerte Lifestyleprodukte umzuwandeln. Wer das hinter sich gebracht hat, weiss alles über 50+.

Doch damit ist die Frage noch nicht beantwortet, weshalb scheitern Werbung, PR und Marketing an 50+  da wäre doch viel mehr drin! Die Antwort, die Macher haben zwei Fakten nicht verinnerlicht:

1. Die 68er sind jetzt im Seniorenalter, Gott-sei-bei-uns! 2. Die 68er haben ein gesellschaftliches Modell niedergekämpft. Das stählt!

Die 68er wurden in ein gesellschaftlich festgefügtes Gesellschaftsmodell geboren, einbetoniert für alle Ewigkeit. Da galt die Zuchtpeitsche noch was. Die 68er haben das demontiert. Eine Revolution.

Die 68er standen staunend vor der Wundertüte Pille für die Frau" und stipulierten postwenden die freie Liebe. Alle Weltreligionen hatten seit Adam und Eva Wälle vor freier Liebe aufgehäuft. Die Pille, eine zweite Revolution für die gleiche Generation!

So stehen wir denn heute vor zwei grundsätzlich unterschiedlichen Seniorengenerationen: Jene, die in strikter Hierarchie-Käfighaltung gross geworden sind (Alt-Senioren) und jene, die das aufgebrochen haben (Jung und jüngst Senioren).

Wenn man beiden dieselbe Nahrung" verpasst, hat man seinen Beruf verpasst.

Ich berichte in loser Folge über meine Erfahrungen mit der Konsumgruppe 50+

IPO-Kandidaten: Ihre Leadbank ist Partner und Gegner zugleich

Beispiel 1: Ihre Bank bringt Investoren  aber sind es auch die richtigen?

Ich gehe jetzt nicht davon aus, dass Sie glauben, Banken kämpften unermüdlich und unerschrocken für das Gute in dieser Welt. Das gehört nicht unbedingt zu ihrem Geschäftsmodell. Das Geschäftsmodell der Investmentbanken besteht vor allem in einem angeblichen oder tatsächlichen Wissensvorsprung. Was die Leistungen der Finanzanalysten betrifft, ist der Wissensvorsprung fiktiv. Was die IPO-Transaktion angeht, besteht er tatsächlich. Diesen Vorsprung weiden die Banken intensiv und ziemlich unerschrocken zu ihrem Vorteil aus. Dabei geht es nicht um kleine Kickbacks oder nur völlig überhöhte Gebühren  es geht um Millionen. Millionen, die Ihnen fehlen werden. Ein besonders trickreiches Beispiel: Der Aufbau des Aktionariates.

Das Aktionariat am ersten Handelstag, betrachtet aus der Interessenlage der Bank

Im Vorfeld des ersten Handelstages ereignet sich das, was man als Marketingphase bezeichnet. Dabei bedient die Bank vordergründig institutionelle Anleger. Meist hat sie ein Bankenkonsortium gebildet. Tut sie das korrekt, hat sie damit vermehrt Zugang zu branchenkundigen Grossanlegern. Diese Kontakte sind einfach und unkompliziert herzustellen. Sie bilden sozusagen das Grundrauschen des IPO-Erfolgs. Zusätzlich wird die Bank die Home Offices wohlhabender Privatkunden (High Networth Individuals) berücksichtigen, dies im Sinn der Kundenbindung.

Das Aktionariat am ersten Handelstag, betrachtet aus Ihrer Interessenslage

Aus Ihrer Sicht muss der Aufbau des Aktionariates Ihren langfristigen Interessen dienen. Was Sie suchen, ist Stabilität, Partner- und Kundenbindung. Ironischerweise suchen Sie genau dasselbe wie die Bank, nur sind das völlig andere Adressen. Für Sie ist es sinnvoll, wenn Ihre Mitarbeiter (Family and Friends), Ihre Kunden, Ihre Lieferanten, Ihre Marktmittler, bis zu einem gewissen Mass manchmal auch Konkurrenten Aktien zeichnen. Kunden, die gleichzeitig Aktionäre sind, sind Gold wert. In vielen Fällen sind tausend Einzelaktionäre (Retailer) einem Grossaktionär vorzuziehen. Entgegen den Behauptungen der Banken sind Retailer bei Kursschwankungen bedeutend treuere Aktionäre als institutionelle Anleger.

Was ist zu tun?

Veranstalten Sie einen Banken-Beauty-Contest und konfrontieren Sie diese Kandidaten mit Ihren Vorstellungen. Meine Erfahrung beweist, dass man den Leadbank-Kandidaten ein fertig ausformuliertes Aktionariats-Konzept als Pièce de Résistance präsentieren soll. Es muss Teil des späteren Vertragswerkes werden. Lassen Sie sich dabei beraten und bedenken Sie folgendes. Die Bonis der IPO-Teams werden unmittelbar nach dem ersten Handelstag berechnet. Das erklärt die kurzfristige Sicht vieler Bankenempfehlungen. Für Sie ist das IPO eine Tat, die in eine erfolgreiche Zukunft münden soll.

What a difference!

Geheimnis Product Placement 2

In regelmässigen Abständen berichte ich über eine der erfolgreichsten Marketing-Methoden: Product Placement

Product Placement ist die zivilisierte Form der Gehirnwäsche.

Verweilen wir kurz bei der Magie Automarke, wechseln dann zur Magie IT-Gadgets. Dem folgt die Konklusion für Markenidentifikationsfiguren.

Gehirnwäsche funktioniert nur mit einer einzigen alleinseligmachenden Botschaft. Dieses Gesetz wurde in der Folge der 007-Drehbücher mehrfach verletzt, das Product Placement dadurch seiner vitalen Kräfte beraubt. Das 007-Product-Placement konzentrierte sich im Wesentlichen auf Automarken. Von Film zu Film feierte 007 seine Unverletzlichkeit in anderen Vehikeln. Die Autos sind also austauschbar? Das funktioniert weder für 007 noch für eine der Automarken.

Das wäre so, wie wenn man den Papst an Ostern hinter einem iPad und an Weihnachten an einem Kindle zeigen würde. Der Papst in seiner Allwissenheit wird sich doch wohl für das allein richtige Device entscheiden können?

Was zeigt, dass Markenidentifikationsfiguren nur einmal identifizieren können. Das ist eine Hauptregel, die immer wieder vergessen wird.

In Kürze erzähle ich mehr über meine Erfahrungen mit Product Placement (Geheimnis Product Placement 3). Bei Placements in Filmindustrie und TV-Business stimmt der Return on Investment bei aller Begeisterung selten. Ein kühner, alternativer Vorschlag.

IPO-Kandidaten, hütet euch am Morgarten

IPOs in der Pipeline...?

Gewisse Investmentbanker prognostizieren den Beginn einer neuen Schweizer IPO-Hype. Die NZZ zitiert dazu ein Bonmot von Warren Buffet: «Wer sich nach Tipps von Brokern richtet, kann auch einen Coiffeur fragen, ob er einen neuen Haarschnitt empfiehlt».

IPO als singuläres Ereignis, lassen Sie sich beraten.

Ich habe insgesamt 23 IPOs kommunikativ begleitet und war in dieser Rolle so etwas wie ein schwarzer Schimmel. Frühe Kommunikation ist fundamental wichtig. Potenzielle Leadbanken beharren deshalb darauf, dass sie selbst oder eine von ihr abhängige IR-Agentur als Sprachrohr gegenüber institutionellen Anlegern, High Networth Individuals, Family Offices, Wirtschaftsjournalisten und der breiten Öffentlichkeit dienten.

Die Rolle des schwarzen Schimmels wurde mir zugesprochen, weil ich prinzipiell nie im Auftrag einer Leadbank oder eines Bankenkonsortiums gearbeitet habe. Ich war immer Vertreter der IPO-Kandidaten und damit so etwas wie der Sparringpartner der IPO-Kandidaten, aber zugleich auch der Bankenintimfeind, mit dem Ruf eines Bonuskillers. So organisierte ich die Beauty Contests der Leadbank-Anwärter und stellte unter anderem die richtigen Fragen. Was sind richtige Fragen? «Die richtigen Fragen» sezieren Bankdienstleistungen in jene Aktivitäten, welche sinnvoll und nützlich sind und in jene, welche unsinnig sind. Unsinnig sind Aktivitäten, welche der Bank zuungunsten des Kandidaten Millionen einbringen ... und da sind Banken erstaunlich kreativ.

In weiteren Blog-Beiträgen erzähle ich Erstaunliches aus der undurchsichtigen Welt jener Leadbanken, welche das IPO-Geschäft untereinander aufteilen:

Was eine gute Leadbank leistet Parameter, an denen Sie Leistungskraft und Seriosität einer Leadbank messen Welche Knebelverträge IPO-Kandidaten verhindern sollten Weshalb eine US-Präsenz in den meisten Fällen nur für die Bank interessant ist Weshalb Sie und nur Sie die Zusammensetzung des Aktionariates bestimmen sollten Die Bank denkt kurzfristig, denken Sie langfristig Weshalb Sie die Bonipolitik Ihrer Leadbank kritisch hinterfragen sollten Gelten US-Kommunikationsregeln (SEC) wirklich auch in Europa? ...und vieles mehr.

Die wichtigsten Schweizer IPO's tragen unsere Handschrift:

Actelion (IPO) emmi (nachrangige Anleihe) Feintool (IPO) HMT (Pre IPO) IBAarau (Publikumsöffnung) Komax (IPO) Leica Geosystems (IPO) Luzerner Kantonalbank (IPO) Oridion (IPO) Phonak (IPO) Saia-Burgess (MBO und IPO) SIS Group (Pre IPO) Speedel (IPO) Straumann (IPO) Valiant Bank (Merger)

Geheimnis Product Placement 1

In regelmässigen Abständen berichte ich über eine der erfolgreichsten Marketing-Methoden: Product Placement

Product Placement ist High Risk. Totaler Erfolg oder totales Desaster. Meine ganz persönlichen Erfahrungen ...

Product Placement, jedermann weiss es, ist, perfekt angerührt, die zivilisiertere Form der Gehirnwäsche. Also Erfolg pur. Man erobert Hirnareale seines Zielpublikums.

Was Product Placement betrifft, kann ich von einer ganz persönlichen, sehr privaten Begegnung erzählen. Meine Lehrer warnten mit Nachdruck vor Jerry-Cotton-Kioskheftchen. Jerry Cotton ist (wenn ich mich richtig erinnere) ein FBI-Agent. Er rettet jeweils zusammen mit einem gewissen Phil Decker die Vereinigten Staaten vor dem Bösen. Dabei fährt er einen Jaguar Cabriolet (Jaguar sollten Sie im Gedächtnis bewahren). Doch Automarken kümmerten meine katholischen Ordenslehrer kaum, sie sahen das christliche Abendland in Gefahr. Ich meinerseits träumte davon, heldenhaft entführte attraktive Models Whiskey trinkenden Mafiabossen zu entreissen. Im Traum gelang mir das.

Über vierzig Jahre lang wurden Jerry Cotton und Phil Decker in den Kioskheftchen nie älter, trugen nie andere Kleider, wechselten nie ihre Vorliebe für bestimmte Drinks und fuhren unentwegt mit ihrem Jaguar Cabriolet von Erfolg zu Erfolg. Diese Kontinuität war einem selten wechselnden Team von zwei Frauen und sechs Männern anvertraut. Sie produzierten Woche für Woche eine Jerry-Cotton-Serie. Was nur in Fliessband-Produktion möglich war. Das weiss ich genau, denn zwei Jahre war ich Teil des Teams. Meine Aufgabe bestand darin, Spezialeffekte auszudenken und schriftlich festzuhalten. Ich erhielt die Rohfassung einer neuen Serie und fügte dann Spezialeffekte ein, welche die Story dramatisch aufmotzten. Das konnte das Einführen origineller Nebenfiguren, ein tragischer Selbstmord, eine originelle Dialogbemerkung, eine Explosion oder auch nur das Einsetzen eines Platzregens im richtigen Moment betreffen. Jedes Teammitglied war ein Zulieferer dessen, was am Wochenende an den Kiosken der deutschsprachigen Welt zu kaufen war.

Die wichtigsten Aufgaben wurden damals von den zwei Frauen des Teams erledigt. Die eine (wir nannten sie Miss Marple) sammelte unsere Teamideen für neue Geschichten und schrieb dann den Handlungsablauf einer neuen Fassung. Auf ihrer Schreibmaschine (!) entstand das Script-Rückgrat, an das wir uns alle zu halten hatten. Die andere Lady recherchierte (damals ohne Internet) in Bibliotheken, was zu recherchieren war. Eines Tages schlug ich vor, die Agenten sollten von Jaguar zu Aston Martin wechseln. Dieser Vorschlag führte überraschenderweise dazu, dass ich alles lernte, was Product Placement so wertvoll macht.

Miss Marple blickte mich Jungspund kritisch an, hob eine Augenbrauche und sagte: «Der durchschnittliche Leser von Jerry Cotton bezeichnet Jerry Cotton als seine Lieblingslektüre, braucht sie, um aus seinem Durchschnittsleben auszubrechen und will, dass Cotton und Decker auf ewig tapfer und unbezwingbar bleiben. Er liest Jerry Cotton seit weit mehr als zwei Jahren jede Woche und verbindet mit der Automarke Jaguar Prestige und Erfolg. Mit der Marke Aston Martin verbindet ihn nichts. Nichts. NICHTS ...» Sie sagte noch vieles mehr, doch das ist das, was mir über Jahrzehnte geblieben ist.

Eine spätere Leserumfrage hat übrigens ergeben, dass der durchschnittliche Jerry-Cotton-Leser jedes Jaguar-Detail verinnerlicht hat (da ändert sich nichts)  die Anzahl PS, die Farbe der Sitzpolster, die Farbe des Lacks. Ein riesiges Arsenal an Chancen zur überdurchschnittlichen Markenpositionierung.

Seit ich das weiss, weiss ich alles über den Wert von Product Placement und sein unerschöpfliches Potenzial.

In Kürze erzähle ich mehr über meine Erfahrungen mit Product Placement (Geheimnis Product Placement 2). Wir bleiben bei der Autobranche: Das Debakel, fährt 007 jetzt Aston Martin oder BMW?

Mann wird weicher

Erinnern Sie sich an die Zeit, als Mann für pure Power stand? Wer sich einen Sportwagen leistete, wollte ein Gefährt hart wie ein Brett mit Stossdämpfern im Millimeterbereich. Das Ding sollte sich in den Asphalt krallen. Ich besass einen MG, der lag höchstens eine Handbreit über dem Asphalt. Nach einer Passfahrt kochte die Bremsflüssigkeit. Ich war begeistert, die Freundin nicht.

Das Prinzip Karussell-Schaukelpferdchen
Heutige  auch potente  Sportwagen werden Prostata schonend gefedert. Vorbild ist das Prinzip Karussell-Schaukelpferdchen, die nicken so brav vor sich hin. Das tun sie ein bisschen hastiger, wenn man in den Sportmodus schaltet. Für die Hersteller hat das Vorteile. Sie erweitern ihr Zielpublikum um Männer im Dreitagebart, die sich einen Kindertraum erfüllen und um Frauen, die Power beweisen wollen. Maserati hat heute ebenso viele weibliche wie männliche Kunden. Niemand fragt die Ladys am Steuer, ob sie es vielleicht nicht härter möchten. Man nimmt es einfach an.

Die Résistance gegen den Geist des Schwabbeligen
Jedenfalls stehen jetzt die Ferraris, Aston Martins und Porsches öfter vor Kinderspielplätzen als vor den Rundkursen dieser Welt. Die Väter bringen ihre Kleinen zum Sandhaufen und schalten auf «Normal». Die Sound-Engineers haben darauf reagiert. Sie haben das Brüllen der Motoren kultiviert. So ist es nur normal: Luxuskutschen nähern sich dem Sport, der Sport nähert sich dem Luxus. Das hat Gegenbewegungen ausgelöst. Die Fahnen der Résistance gegen den Geist des Weichen tragen ausgerechnet die Velosättel. Wie kam das?

Man wird zum Eunuchen auf Zeit
Wer sportlich Velo fährt, gibt Hoden, Samenleiter und das gesamte Genitalsystem vertrauensvoll in die Hand eines Marterbretts, genannt Velosattel. Das führt nach kurzem zu Gefühllosigkeit und nach einem gewissen Training zum Anschwellen der Wadenmuskeln bei gleichzeitigem Abschwellen jener Muskeln, die dem Penis zur aufrichtigen Haltung gegenüber einem wichtigen Teil seiner Funktionen verhelfen. Üblicherweise geht das so weiter: Man hat die Wahl zwischen einer liebevollen Partnerschaft oder Schweiss treibenden Trainingsfahrten, begleitet von Kuhglocken und herrlichem Abendrot. Um diese Wahl nicht treffen zu müssen, kauft man sich gegen alle Ratschläge einen weicheren Sattel. Weiche Sättel das Problem, die sensiblen Stellen werden durch einen geheimen Ratschluss der Physik endgültig abgeschnürt, man wird zum Eunuchen auf Zeit.

Die Geburtskliniken radrennbegeisterter Nationen verwaisen
In Ländern mit ausufernder Radrennbegeisterung wie Italien, Frankreich, Belgien und Spanien sinkt die durchschnittliche Gebärrate pro Frau nachweisbar. Ich mache die Velosättel dafür verantwortlich. Immer mehr Sportler fahren auf schlabberigem Gel im Sattel, im vergeblichen Versuch, Spass im Erhalt der Familie zu finden. Ein Sattel mit dem Namen Wahrer MANN® gibt da kreatives Gegensteuer.

Hart sei der Mann
Der Sattel ist geformt aus Granit, herausgehauen aus dem Gestein der kanadischen Gaspésie-Halbinsel, «seit Äonen von den kraftvollen Brechern des Atlantiks geformt und geglättet» wie der Hersteller schreibt. Ich warte jetzt auf den Sattel aus Kruppstahl oder Eisenholz. Dann werden sich die Demographen dieser Welt wundern, dass die Überalterung unserer westlichen Gesellschaft ruckartig stehen bleibt. Ein Investment in Gebärkliniken könnte sich lohnen.

Aber neues Betriebskapital bleibt Ihnen verwehrt.

Wir erklären Investoren, weshalb es ein gutes Geschäft ist, in Ihr Business zu investieren. Das ist unser Geschäft. Ihre Firma ist grundsolid, hochkompetent, arbeitet in einer Branche mit Zukunft...

Weshalb bekommen Sie keinen Kredit?
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten werden viele Kreditgesuche ohne individuelle Prüfung abschlägig beschieden. Was vor kurzem ohne weiteres möglich war, scheitert jetzt am Risikoprofil. Ihre Ideen und Bedürfnisse werden von den Kapitalgebern nicht mehr mitgetragen.

Die Finanzwirtschaft leidet an einem Burn-out.
Gegenwärtig erhalten Sie Kredite vor allem dann, wenn Sie sie zu 100% absichern können, sie also nur bedingt benötigen. In inflationären Zeiten öffnet das Risk Management der Finanzintermediäre alle Schleusen, in schwierigen Zeiten setzt das Geld in den Tresoren Staub an. Die Adern der wirtschaftlichen Erholung vordorren an Blutarmut.

Sie aber müssten investieren.
Sie wollen neue Märkte erobern, neue Produkte lancieren, neue Dienstleistungen etablieren, Infrastrukturen erneuern, Chancen packen ... an Ideen fehlt es Ihnen nicht, an Kapital schon.

Wie wir den gordischen Knoten durchschneiden.
Wir lösen das grundsätzliche Problem. Es besteht darin, dass Sie einer unter vielen sind, dass Ihre Ideen und Bedürfnisse (und vor allem die Chancen, die darin schlummern) nicht erkannt werden  ein typisches Kommunikationsproblem in einer Welt, die unternehmerische Ideen dem Urteil «spezialisierter» Computerprogramme unterwirft.

Konkret
Kurzum, wir entziehen der automatisierten Entscheidungswelt Ihren Antrag. Wir können das aufgrund unserer über 40-jährigen Erfahrung in der Welt der Finanzen, unserem Investor-Relations-Know-how und einem beispiellosen Beziehungsnetz. Die Schritte:
1. Wir analysieren mit Ihrer Hilfe Chancen und Risiken.
2. Wir beleuchten das günstige Chancen-Risiken-Verhältnis mit allen im Einzelfall geeigneten Medien (Investor Relations, PR, Social Media, klassische Werbung, Video).
3. Wir schleusen diese Informationen überall dort ein, wo Experten und nicht Computer die Entscheide fällen.
4. Wir verbreitern die Basis der Kapitalgeber, zum Beispiel durch den Einbezug interessierter Family Offices oder potenter ausländischer Investoren.

Unsere Reputation
Die wichtigsten Schweizer Börsengänge tragen unsere Handschrift  und nicht wenige internationale dazu. Börsengänge sind so etwas wie der Doppelaxel der Finanzindustrie. Sie bedingen nachhaltig funktionierende Netzwerke bei institutionellen und privaten Investoren, bei nationalen und internationalen Finanzmedien sowie unter den Opinion Leadern der Finanzjournalisten. Die Kommunikation im Umfeld von Börsengängen bedingen Augenmass, analytische Stärke und vertieftes Verständnis für Business- und Investmentmodels. Sie wird nur den vertrauenswürdigsten Kommunikatoren anvertraut  denn es geht um Millionen und Abermillionen.

Wer jetzt gebannt stehen bleibt, wird überfahren.

In wirtschaftlich schlechten Zeiten werden Marktanteile neu verteilt. Gewinner sind die Aktiven, Verlierer sind die Passiven. In solchen Zeiten genügen Me-Too-Kommunikations-Konzepte nicht mehr. Gefragt ist kreatives Querdenkertum. Querdenken heisst Geld sparen.

Der Käse mit dem Emmentaler

Also die Bauern-Käse-Lobby hat's erfolgreich verschaukelt. Sie hat den Steuerzahlern jahrzehntelang Subventionen abgejammert. Geld strömte so im Überfluss, dass der letzte Tropfen Milch den Eutern abgerungen und in Emmentaler verwandelt wurde. Nach dem Butterberg erschufen unsere Subventionsbundespolitiker erfolgreich den Käse mit dem Käseberg. Aus Erfahrungen lernen ist halt verdammt schwierig. Staunend stellen die Damen und Herren fest, dass die Preise in sich zusammenfallen, wenn man mehr produziert, als die Märkte aufnehmen können. Die Frankenstärke ist da nur ein bescheiden wirkender Nebeneffekt. Subventionspolitik ist Schiss vor Wettbewerb. Vielleicht nicht ganz ohne Grund?

Firmen-TV on demand auf der Website: Bärenstark

Firmen-TV on demand, sind Videobeiträge, die sich direkt an die Besucher Ihrer Website wenden. Idealerweise aufgebaut wie man sich das von den TV-Sendern gewohnt ist: Anmoderation, Reportagen, Diskussionen usw. Ihre Besucher klicken im Verzeichnis jene Videos an, die sie interessieren.

Vorteile dieser TV on demand: Man kann rein technischen Informationen die wichtigen emotionellen Inhalte zur Seite stellen, Philosophien lassen sich glänzend darstellen, es gibt nichts Nachhaltigeres in Sachen Testimonial-Kampagnen, komplexe Abläufe erklären sich, Frontmanager zeigen ihre sympathischen Seiten, Diskussionen klären umstrittene Sachverhalte ... usw.

Ideal ist der zielgerichtete Einsatz auch im Bereich Kundendienst (Service, Kundennähe) und in der internen Schulung (Intranet).

Voraussetzungen: Den nötigen Return on Investment errreicht man nur dann, wenn man die Beiträge mit Low-Budget-Videos in hoher Qualität produzieren kann. Wie extrem aussagekräftig Low-Budget-Videos sein können und müssen, finden Sie unter www.s-g-c.tv. Wer seine Botschaft in bewegte Bilder umsetzt, erzielt einen höheren Return on Investment.

Der Fukushima-Effekt ist nicht am Abflauen

2. Hälfte Juni 2011 

In gewissen Zeitungsspalten und Internetbeiträgen ist die Rede von einem starken Abflauen des Fukushima-Effekts, offensichtlich eine Fehleinschätzung, was die Schweiz betrifft. Der Mann, die Frau «von der Strasse» widerlegt alle Kristallkugelweisheiten.

Eine unserer Kampagnen für einen mittelgrossen Energieversorger im Schweizer Mittelland, löste rege Aktivität auf der Ebene Mund-zu-Mund, Telefonresponse, E-Mail-Verkehr und Leserbriefe aus. Da ist von einem Abflauen keine Rede! Interessant aber ist, dass sich in Sachen Kernenergie ein Schwenker abzeichnet. Ein Schwenker von der rein emotionellen Reaktion hin zu mehr (hinterfragter) Realität.

Wir haben die Reaktionen der letzten Wochen in einem Analysepapier zusammengefasst (kostenlos abfragen über wsuter@s-g-c.com). Dieser Sensor im Markt zeigt mehr als jede Statistik.

Wikipedia, WikiLeaks, Social Media – Lügen, Notlügen und Kommunikation

Politiker orientieren sich, was Lügen betrifft, an einer 500 Jahre alten Maxime. WikiLeaks ist uns fremd, weil wir die Lüge institutionalisiert haben. Die Social-Media-Generation wird das ändern. Wikipedia ist das Lächeln im Cyberspace.





Lügen ist das Hauptinstrument der Macht

Schon Kleinkinder lernen den Unterschied zwischen den zu verabscheuenden grossen Lügen und Notlügen, die halbwegs erlaubt, zum Überleben gehören. Regierungen lernen das etwas später, vielleicht durch WikiLeaks?

Der Psychoanalytiker Léon Wurmser untersuchte 1999 das Problem der institutionell verankerten, bewussten Lüge. Er beobachtete Patienten aus Politik und Wirtschaft und stellte fest, dass bei vielen von ihnen Lügen eine Gewohnheit ist, die erst unter dem Eindruck psychoanalytischer Aufarbeitung zum Gewissensdilemma wird. Lügen sei ein Hauptinstrument der Macht. Die Weigerung, am Lügengespinst mitzuweben, werde als Schwäche, ja als Verrat verstanden.


Es hängt davon ab, was Sie Sex nennen

Niccolò Machiavelli stellte in der Renaissance eine These auf, welche noch heute Richtschnur (auch demokratischer) Politik geblieben ist: Die Lüge ist ein Mittel, um die Herrschaft zu behaupten. «Ein Herrscher muss die Seelenstärke haben, sich nach den Winden des Glücks und dem Wechsel der Verhältnisse zu richten und vom Guten so lange nicht abzugehen, als es möglich ist. Aber im Notfall auch verstehen, Böses zu tun...»

Natürlich kann es auch «Halbböses» sein, wie ein klassisches Clinton-Zitat vor dem Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses trefflich beweist. Auf die Frage, ob es mit Monica L. Sex gegeben habe, antwortete er sybillinisch: «Es hängt davon ab, was Sie Sex nennen.» Mit dieser Antwort erwies sich Clinton als begabter Schüler Machiavellis.


Politiker als füchsische Löwen

Die angeblichen Gründe zur Auslösung der Kriege gegen Vietnam (Johnson) und Irak (Bush) wiegen in ihren Auswirkungen bedeutend schwerer. Dieses Lügengewebe würde Machiavelli als legitimes Mittel der Machtausübung bezeichnen und zusätzlich würde er sich so äussern: «Ein tüchtiger Herrscher muss gleichzeitig die Natur des Fuchses und jene des Löwen annehmen. Der Löwe ist wehrlos gegen Schlingen, der Fuchs wehrlos gegen Wölfe. Man muss Fuchs sein, um die Schlingen zu wittern und Löwe um die Wölfe zu schrecken. Mit anderen Worten, ein kluger Machthaber darf sein Wort nicht halten, wenn ihm dies zum Schaden gereichen würde... »


Journalisten sind nicht mehr Pflock im Fleisch der Mächtigen

Hitlers Propaganda-Kompanien (PK) gaben mit ihren Leicas dem Zweiten Weltkrieg – auf Sieg getrimmt – sein heroisches Heimatfrontgesicht. Die Bushregierung erfand den «Embedded Journalist», die Karikatur des kritischen Journalisten. Friedrich Nowottny (ehemaliger Intendant des Westdeutschen Rundfunks) meinte dazu: «Der Blick des Journalisten fällt durch den Sehschlitz des Panzers. Und der ist nicht sehr gross.» Die Journalisten wurden «mit Augenmass» auserwählt, erhielten ein kurzes, militärisches Training in den USA und mussten dann, zusammen mit ihren Arbeitgebern, die Ground Rules unterschreiben. Vorschriften, die ihr Denken, Schreiben, Filmen und Tun exemplarisch einschränkten. Die Propaganda-Kompanien der Moderne sind und bleiben Erben Hitlers Propaganda-Kompanien. Für amerikanische Journalisten in amerikanischen Medien war es in den ersten Monaten des Irakkrieges unmöglich, eine kritische Haltung einzunehmen. Die Zensur war subtil. Kritik war unamerikanisch und gefährdete das Leben «unserer Boys». Man nennt das institutionalisierte Lüge.


Unsere Gesellschaft hat zu viel weisse Substanz im Cortex

Wie sehr wir uns an die Institutionalisierung der Lüge in Politik und Wirtschaft gewöhnt haben, zeigen die Reaktionen auf WikiLeaks. Laut einer Studie der Universität von Südkalifornien verändert sich bei pathologischen Lügnern die Hirnstruktur. Die weisse Substanz im präfrontalen Cortex – sie ist für die Informationsübermittlung zuständig – dominiert atypischer Weise die graue Substanz, welche Informationen ordnet und verarbeitet. Dem Kodex unserer Gesellschaft entsprechend, hat sich die graue Hirnsubstanz unserer Gemeinschaft im Laufe der Zeit zusehends verflüchtigt. Das betrifft nicht nur die Politik. Ebenso sehr betrifft es die Wirtschaft. Die Lügen um (nicht verursachte) Umweltschäden, (mündelsichere) strukturierte Produkte, (nicht verursachte) Immobilienkrisen, (für alle Ewigkeit geheiligte) Bankgeheimnisse ... sie sind ebenso institutionalisiert. Interessanter Weise erwarten wir von den involvierten Kreisen gar nichts anderes als Lüge. So stimmt die Welt.


Was wäre, wenn Pinocchios Nase schrumpfen würde?

Betrachtet man das Phänomen Lüge nicht aus der Warte ethischen Verhaltens, ergeben sich besonders interessante Aspekte. Nimmt man an, die Grosse Lüge wäre nicht nur vorder- sondern auch hintergründig gesellschaftlich geächtet, ergäbe sich eine interessante Ausgangslage für ein völlig neues Denken und Handeln.

Man kann davon ausgehen, dass Lügen mittel- und langfristig unproduktiv sind, ein gutes Beispiel ist die Lebenslüge. Sie neigt zum Implodieren der eigenen Sinnhaftigkeit. Die Lüge ist ein dummer Lebensentwurf für Visionen, Ideen, Projekte, weil Häuser mit morschem Fundament zusammenbrechen. Kurz, die Lüge ist teuer. Was sie auslöst, sind Reparaturen, wirtschaftliche Schäden, Insolvenz, beschädigtes Vertrauen, Zeitverschiebung der (richtigen) Lösungen...


Die Ratten im Sonnenlicht

Da wir von einer Welt der Quartalsabschlüsse in Kurzfristdenken erzogen sind, wäre der Verlust der Lüge ein umwälzendes Ereignis. Lügen löst ein Problem (vordergründig gesehen) rasch. Wahrheit braucht so ihre Zeit. Wahrheit ist träge. Deshalb ist die Lüge so beliebt. WikiLeaks hat die unangenehme Eigenschaft, Steine umzudrehen. Was ans Tageslicht kommt, sind Asseln und Ratten. Wir verdammen WikiLeaks, nicht die Asseln und auch nicht die Ratten.

Kommentatoren, die WikiLeaks verurteilen, schreiben am anderen Tag darüber, dass Facebook und Twitter die Lüge der Diktaturen überwinden, neue Gemeinschaften ermöglichen, unterdrückte Wahrheiten aufdecken. Unterdrückte Wahrheiten aufdecken? Gut so!


Die Jungen leben auf einem anderen Planet

Eine junge Journalistin hat es so formuliert: «Die Alten tun alles, um ihr Privatleben zu verstecken. Wir breiten unser Leben aus. Auf Facebook zeigen wir einander, wie wir sind, was uns ausmacht, was wir denken.» Diese neue Gesellschaft öffnet die Türen ihrer Zimmer, sprengt die Mauern ihrer Häuser, walzt Grenzen nieder, breitet ihre Geheimnisse aus und ist neugierig auf andere. Dahinter steckt auch ein Mysterium. Es heisst Web 2.0. Web 2.0 ist Kommunikation pur. Kommunikation ohne Grenzen, vorbei an allen, von jahrhundertealter Tradition geheiligten Instanzen, welche den Informationen ihre Kanäle zuwiesen, Informationswegzölle erhoben, Dämme bauten, Fischtreppen erlaubten oder verboten. Das ist krass. Nur haben es die meisten noch nicht bemerkt. Social Media unterwandert vieles. Unter anderem die institutionalisierte Lüge. Und – auch das liegt auf der Hand – Social Media sind keine Heilslehre, sowenig wie WikiLeaks. Social Media sind eine Renaissance, mit dem Unterschied, dass sie nicht rückwärtsgewandt sind. Social Media öffnen tausend Türen, hinter einigen ist das Paradies, hinter anderen die Hölle.


Wikipedia ist Lächeln im Cyberspace

Social Networks wie Facebook werden mit Sicherheit von kreativeren Lösungen abgelöst. Was bleibt, ist allerdings der Geist des Exaltierten, des Austausches zwischen Heerscharen Gleichgesinnter mit Flächenbrandgefahr für Herrschende und alles Etablierte. Das hat reinigende, erschreckende und erfreuliche Aspekte.

Wie ein erfreulicher Teil unserer Welt in Zukunft aussehen könnte, zeigt Wikipedia. Es gibt dem, was wir als «Weltwissen» bezeichnen, Umrisse ... an dieser Enzyklopädie arbeiten Tausende, die Inhalte werden gemeinschaftlich korrigiert erweitert und dem Laufe der Zeit angepasst. Wikipedia entwickelte sich zum meist benutzten Online-Nachschlagewerk und schaffte es auf Platz sieben der meistbesuchten Websites. Die Triebkraft hinter Wikipedia sind keine Gewinnabsichten und kein Karrieredenken, Mittun entspringt der Freude an der Sache an sich. Diese Strahlkraft der Mystik und der Aura einer Idee ist das, was – idealisiert – Web 2.0 ausmacht. Da wird ein Virus gesetzt, er steckt an und breitet sich aus. In einem überhöhten Sinne entstehen Gemeinschaften, die Nationen und Kommunen nicht ganz unähnlich sind. Es ist anzunehmen, dass andere 2.0-Viren ebenfalls das Fieber idealistischer Begeisterung entfachen werden. Natürlich sind Viren nicht nur Träger des Edlen, Guten. Im Cyberspace findet sich eng neben dem Lächeln, die Grimasse.

Vorgänger von Wikipedia sind Internet-Gemeinschaften in der Forschung, auch sie bringen Wissen über Ozeane und Gebirgszügen zusammen. Noch hat niemand genau analysiert, welche Werte durch das Schrumpfen von Distanzen und Addieren von Hirnsubstanz in Forschung und Wirtschaft generiert werden.

Die Frage stellt sich deshalb, weil Historiker sprunghafte wissenschaftliche Fortschritte während der Renaissance ausmachten. Neben einem sich ändernden Klima in Religion und Gesellschaft zeichnet eine bahnbrechende Erfindung dafür verantwortlich. Die Träger des Wissens, Klostermönche, arbeiteten im blakenden Fackellicht. Mit dreissig Jahren waren sie so sehbehindert, dass Lesen mühsam wurde. Die Erfindung der Lesebrille schenkte einer ganzen Mönchsgeneration zehn zusätzliche Jahre der Erkenntnis.

Das Web 2.0 ist die Lesebrille des 21. Jahrhunderts.

Super-GAU in Japan und Zusammenbruch der Energie-Aktien

Wie kluge Energieriesen jetzt Marktanteile gewinnen.

Das Zusammentreffen von drei Katastrophen löst unermessliches menschliches Leid aus – verbunden mit Unsicherheit und Urangst. Unsicherheit und Urangst sind Zyankali für die Börsen dieser Welt. Wertverluste werden sich im Energiesektor kumulieren (eng verschlungen mit steigenden Ölpreisen). Die Investitionsprogramme und die meisten der Zukunftsszenarien sind reif für den Shredder.

So seltsam es tönt, ich kann mir ohne weiteres ein Energie-Eliteunternehmen vorstellen, das in diesen Zeiten Marktanteile gewinnt. Dazu braucht es einige Voraussetzungen: Einen visionär denkenden Chef ... und die Fähigkeit, sich von Denkschematas freizustrampeln.

Wie müsste die Vision aussehen? Grosses ist (vordergründig) einfach. Das Gedankenmodell muss kluge, grenzensprengende Antworten auf Urängste geben. Urängste orientieren sich nicht an der konkreten Faktenlage:

Der Gap zwischen der Energieversorgung heute und der Energieversorgung, wenn alternative Technologien genügend effizient sind, ist bei steigendem Konsum das (allen bekannte) grundsätzliche Problem – das durch AKWs gelöst werden könnte. Was aber gesellschaftspolitisch nach Fukushima nicht mehr möglich sein wird. Lösungsansätze wird die Politik erarbeiten müssen.


Urängste sind bestimmt von Angst um Leib und Leben und wirtschaftliche Zukunft. Urängste fiebern einer Antwort entgegen. Wer genial an diesen Soft Factors baut, gewinnt Gross- und Kleinkunden, Politik und Medien. Ich beobachte seit 40 Jahren den Energiesektor. Alle schnüren seit langem ihr Röcklein der Nachhaltigkeit, nicht eines wird unter dem Eindruck von Fukushima die Blössen verdecken, es sind des Kaisers Kleider.

Was es braucht, ist mehr Genialität. So einfach und so schwierig ist das.

Kernschmelze in Japan

Energieriesen – ersetzt den Zweihänder durch das Florett!

Im Geiste waren die neuen Kühltürme schon betoniert. Bei einigen Exponenten schwang in der Sprache etwas mit, das man als Triumph bezeichnen könnte. Vorschnell.

Nun gilt es, die Brennstäbe der Kommunikation auf eine Temperatur abzukühlen, die glaubwürdig ist. Was vor kurzem noch glaubwürdig war, ist jetzt vielfach mit Angst besetzt. Das ist das Grundgefühl der Grundgefühle.

Jetzt braucht es PR, welche diese Menschen ernst nimmt, sie abholt – ohne jene mühsam versteckte, jedoch mit Macht durchschienene Arroganz, die so nervt. Nötig ist ein inspiriertes, gedanklich-sprachliches Meisterwerk. Do it.



Werbung/Kommunikation: Wer knackt die Festung Babyboomer?

Die neue Seniorengeneration der Babyboomer überschwemmt die Welt des Konsums mit jugendlichem Enthusiasmus. Sie haben spezielle Konsumbedürfnisse, ein kritisches Auge, Geld und Zeit. Beispiel: Wellness- und Mineralbäder.

Vor kurzem hielt ich in Norddeutschland einen Vortrag über Seniorenmarketing. Im Saal sassen Verantwortliche für private Wellness- und Mineralbäder und ihre Konkurrenten der öffentlichen Hand. Mit Mineralien angereichertes Warmwasser ist eine Verlockung vor allem für vom Leben gebeutelte Muskeln, Knochen, Glieder und Gelenke. Graue Häupter dominieren zunehmend Garderoben, Wasser, Saunen, Dampfbäder und Liegestühle.

Nun spült der Zeitenlauf die neue Seniorengeneration der Babyboomer in Wellness- und Gesundheitsbäder ... und hinterlässt beim Management eine gewisse Ratlosigkeit. In der Diskussion zeigen sich zwei Probleme: Ihre grosse Zahl und ihr kritisches Verhalten. Kritisches Verhalten der Konsumenten ist für viele neu. Ist das nun nur lästig, oder schaukelt sich da die grosse Chance auf? Eine Frage im Übrigen, welche die Anwesenden in zwei Lager spaltet. Die Chance sehen alle, so richtig packen, wollen sie offensichtlich nur die wenigsten. Wollte man die Babyboomers gewinnen, wäre ein Zukunftsinvestment angesagt. Weshalb?

Die Babyboomers gehören zur Internetgeneration, fotografieren digital, konsultieren über ihren iPad die Medien und kommunizieren via Social Media, viele haben wirtschaftliche Verantwortung getragen und ihr Geist bewegt sich in einer globalisierten Welt. Das gilt nicht für alle, aber für eine nicht zu unterschätzende Zahl.

Diese Biografie schärft das Auge der neuen Seniorinnen und Senioren. Sie notieren im Geiste nicht nur Hygienemängel und stöhnende Liegen (damit haben sich die Bademanager zähneknirschend abgefunden), sie haben klare Vorstellungen über Dienstleistungsqualität und sie sehen verpasste Chancen. Was besonders lästig ist, sie thematisieren alles, was sie stört ... öffentlich und oft unermüdlich. Sie haben Zeit, es gilt, sie totzuschlagen. Sie sind gut vernetzt, was sie kritisieren verbreitet sich mit der Virulenz eines Flächenbrands. «Sie mögen manchmal lästig sein», meint ein Teilnehmer, «aber sie sind die Konsumenten der Zukunft» (oder der Gegenwart?). Die Babyboomer rauben den Jungen den Platz 1 als Konsumenten, durch ihre schiere Zahl und ihre wirtschaftliche Potenz.

«Manager», meint ein nachdenklicher Teilnehmer, «welche ihr Hauptzielpublikum als lästig empfinden ... da haben wir ein Problem ...» Und ein anderer meint, «Da kommt ja ein riesiges Potenzial an Erfahrung und Wissen auf uns zu. Das sollten wir nutzen – oder etwa nicht?»

Was zeigt, dass nicht alle Bademeister baden gehen.

Flugangst und die Psychologie der Kommunikation

Lachen heilt Flugangst – ein Phänomen

Ich habe das Kommunikations-Mandat eines Spielkasinos in Las Vegas betreut. Nach den Gesetzen des Gliedstaates Nevada durfte ich als direkt Involvierter zwar selber nicht spielen, war aber mehrere Male zu Arbeitstreffen im Mekka aller Zocker. Der Anflug zum Flugplatz Las Vegas ist für jeden, der unter Flugangst leidet, eine Tortur. Rund um die Wüstenstadt steigen die heissen Luftmassen in gigantischen Wirbeln gen Himmel. Sie packen die anfliegenden Maschinen im Sinkflug und schütteln sie gehörig durch. Interessant, welche Geräusche Menschen in Todesangst so ausstossen. Interessant auch, wenn der Magen den Gaumen küsst.

Nur einmal war alles anders. Zwar schüttelte es wie immer. Zuerst war es ruhig. Dann ein zaghaftes Kichern. Ein Kichern, das sich von Sitzreihe zu Sitzreihe fortpflanzte, von Passagieren zu Stewardessen übersprang – das Kichern schwoll an zu herzhaftem Lachen und kumulierte in Lachsalven, die nicht einmal durch die Rumpellandung gedämpft wurden.

Was war geschehen?

Vor dem Landeanflug meldete sich der Flugkapitän per Lautsprecher und sagte folgendes: «Hier spricht ihr Kapitän. Wir fliegen jetzt Las Vegas an. Ich wünsche Ihnen viel Glück beim Zocken. Las Vegas liegt mitten in der Wüste. Das bedeutet, dass wir in wenigen Augenblicken aufsteigende heisse Wüstenluft durchfliegen. Das Flugzeug wird ziemlich schütteln. Dafür ist dieses Flugzeug gebaut. Dies ist meine hundertfünfzigste Landung in Las Vegas und ich habe mir geschworen, dass ich diesmal nicht der einzige bin, der keine Angst hat. Ich sage Ihnen jetzt eines, Angst müssen Sie nur haben, wenn es nicht schüttelt.» Die Rede kaum beendet, begann es zu schütteln wie irr. Und das in Lachen mündende Kichern kam aus hüpfenden Mägen und schmunzelnden Mündern.

Gute Kommunikation, dachte ich, kann Wunder wirken, Barrieren abbauen, ja sogar den Säugetier-Überlebensinstinkt übertölpeln. Da bleibt doch nur noch eine Frage:

Gibt es irgendeinen Grund, sich mit mittelmässiger Kommunikation zu begnügen?

Die Welt der Werbung aus der Sicht russischer Geheimdienste

Unser Auftrag in Moskau war alles andere als geheim: Vorbereitung für eine breit angelegte Kommunikationskampagne im Markt Russland, mit klassischer Werbung, PR, Social Media usw. Wir nutzten die Zeit, unsere Netzwerke zu pflegen auf Regierungs- und diplomatischer Ebene samt Treffen mit Opinion Leaders. Zu unserem Pflichtenheft gehörte auch das Drehen eines Videos mit Strassenszenen, das mittlerweile die Homepage unseres Kunden ziert.

Unsere Rencontres mit dem Geheimdienst fanden jeweils vor sechs Uhr morgens bei sechzehn Grad minus auf dem Roten Platz statt. Aus unseren Mündern quollen Dampfwolken, die Finger steckten eisig-klamm in dicken Handschuhen, die Dämmerung kroch hinter den Zwiebeltürmen hervor, einzige Lebewesen auf dem Platz: zwei räudige Hunde. Einziges Geräusch – Aufklappen der Stativbeine. Wie aus dem Nichts stand eine grimmige Gestalt neben uns – und verbot nach kurzem Verhör alle Dreharbeiten.

Sie werden zustimmen, ohne Roter Platz kein Moskau-Video. Also versuchten wir es am anderen Morgen zur gleichen nachtschlafender Zeit, darauf über Mittag und dann am Abend. Doch jedes Mal stand uns ein leicht durchfrorener Zerberus mit einem Verbot vor der Linse. Der Rote Platz ist bewacht wie die Kronjuwelen von Elisabeth der Zweiten. Drehen nur unter Lebensgefahr (unsere Sicht des Roten Platzes finden Sie hier, aber nicht verraten!)



In einer Zeitung hatte ich eine Woche zuvor gelesen, dass die russischen Behörden Anschläge auf U-Bahnstationen befürchten. Aufgrund unserer Erfahrungen gingen wir mit mulmigem Gefühl daran, eine der berühmten wunderschönen U-Bahnstationen zu filmen. Das dauerte ziemlich lange, niemand störte uns.

Eine Woche später war genau diese Station Ziel eines Anschlags mit Toten und Verletzten. Und in diesen Tagen sprengte sich ein Selbstmordattentäter mitten unter den Fluggästen des grössten Moskauer Flughafens in die Luft. Auch das ein bekanntes, «selbstverständliches» Ziel für Attentäter.

Ich bin beinahe sicher, der Rote Platz war gut bewacht.

Tourismuswerbung zwischen Behäbigkeit und Gedankenblitz

Das Tourismusland Schweiz ist ein Geschenk der Götter. Die Werbung dafür müsste vermehrt den Himmel erobern.

Natürlich gibt es gute, ja geniale Tourismuswerbung. Betrachtet man aber den Durchschnitt, sind Zweifel an Witz und Effizienz angebracht. Der Tourismus ist eine jener Branchen, die traditionell stark zu repetitiv angewandten Klischees neigt. Ihre Verwandten sind die Automobilindustrie, die Modeindustrie und Möbel im oberen Segment. Sie alle leben vom Augenreiz. Das ist ein grosser Vorteil, der aber gleichzeitig auch zu paralysieren scheint. Da macht sich ein Kreativstau breit, vergleichbar mit dem berüchtigten Schreibblockade der Schriftsteller und Journalisten. Die kreative Entwicklung bleibt geteert und gefedert an den Totembaum des Uninspirierten gefesselt.

Weshalb das so ist? Das ist eng mit der Qualität des Geschenks der Götter verbunden. Unsere touristischen Regionen, ihre Gaststätten, Hotels und Infrastrukturen sind in der Regel so aussergewöhnlich gut und majestätisch (Geschenk der Götter!), dass schon eine durchschnittliche Werbung auf den ersten Blick berückend scheint (vor allem für ihre Urheber). Da erhebt sich automatisch eine naheliegende Frage: Wie wäre die Wirkung erst, wenn die Werbung sich inspirierter um die Bedürfnisse des Zielpublikums ranken würde? Und wenn sie – welch verwegener Gedanke – vermehrt Social Media mit einbeziehen würde? Man kann sich das so vorstellen: Neue Kunden reiten heutzutage auf dem Jetstream des Cyberspace, ohne Umwege in die Gästebetten, an die Barstühle, in die Bergbahnen. Da wäre ein Netzwerk leistungsstarker Radartürme und hell leuchtender Pistenbefeuerung keine schlechte Idee.

Gute Touristikfachleute wissen das und zögern trotzdem. Das Zögern hat einen guten Grund. Social Media funktioniert nur, wenn (Air-)Traffic herrscht ... und wer hat dazu Kompetenz und Zeit? Zeit und Kompetenz kann man einkaufen, und dieser crossmediale Ansatz ist so effizient, dass man mit einem guten Return on Investment rechnen kann.